Der Star von gestern sucht Stars von morgen
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AHA-Förderung für Talente aus armen Familien
100 Kommunen machen mit

Quelle: per Mail am 13.04.2006

von Gerd Holzbach

Neuss (sid) Immer wieder hat sich Armin Hary aufgeregt über Misserfolge deutscher Sportler bei internationalen Auftritten. "Es geht bergab, wir haben zu wenig Siegertypen mehr. Dafür immer mehr Sportler mit Ausreden", ereiferte sich der frühere 100-m-Weltrekordler auch nach Olympia 2004 in Athen. Dann nahm der erste Mensch, der die 100 Meter am 21. Juni 1960 in Zürich in blanken 10,0 Sekunden lief und Wochen später in Rom zum bisher einzigen deutschen Olympiasieger der spektakulärsten Leichtathletik- Disziplin wurde, die Dinge mit seiner "AHA"-Förderung selbst in die Hand.

"Ich dachte immer, eigentlich müsste man was machen. 20 Jahre lang glaubte ich, ich sei zu alt - doch dann fing ich an", sagt Armin Hary. Statt 49 ist er nun schon 69 Jahre alt, doch von Stimme und deutlich werdendem Elan her könnte der Star von gestern, der nun die Stars von morgen sucht, auch zwei Jahrzehnte jünger sein.

Sein Konzept ist eng verwoben mit der eigenen Kindheits-Geschichte. "Ich stamme selbst aus einer armen Familie. Wenn ich nicht das Glück gehabt hätte, dass unser Haus keine 500 Meter vom Sportplatz entfernt gewesen wäre, dann hätte es keinen Olympiasieger und Weltrekordler Armin Hary gegeben. Meine Mutter hatte kein Geld, mir ein Fahrrad zu kaufen und kein Auto, mich zum Training zu bringen", sagt der aus dem heutigen Saarbrücker Stadtteil Gersweiler geborene Olympiasieger.

Die AHA-Förderung soll auch jungen, sozial benachteiligten Talenten den Weg ebnen. Armin Hary, der davon ausgeht, dass es in Deutschland 1,5 Millionen Kinder gibt, die wegen fehlender Mittel Sport nicht intensiver betreiben könnten, schrieb bisher über 11.000 Kommunen in ganz Deutschland an. "Sehr viele zeigten Interesse. Bis Ende des Jahres wollen wir in 100 bis 150 Kommunen jeweils drei Kinder fördern." Ausführliche Informationen finden Sie unter „www.aha-f.de".

Harys Einrichtung hebt sich ab von anderen Modellen, weil die jungen Talente nicht durch Firmen direkt unterstützt werden und auch keine Werbung auf dem Trikot tragen. Die AHA-Förderung akquiriert in den Kommunen 10 Unternehmer (Partner), die einen Betrag von 100,- bis 400,- Euro im Monat bezahlen (für den Unternehmer reine Betriebsunkosten). Hierfür erhalten Sie einen Bannerplatz auf der Internetseite der AHA-Förderung, und haben dadurch einen hohen Werbeeffekt in ihrem Umfeld. Auf dieser Plattform gibt es täglich zwischen 20.000 bis 30.000 Bewegungen.

Pro Jahr werden drei Athleten in jeder Kommune zwischen 6 und 16 Jahren gefördert. Hary: "Der Übungsleiter schlägt das Talent vor." Egal ob Leichtathlet wie Hary, Eishockeyspieler wie sein Freund Alois Schloder, oder Schwimmerin - die größten Talente sollen die beste Förderung erhalten. In Landshut, in unmittelbarer Nähe von Harys heutiger Heimat, erhielt jeder der drei ausgewählten Sportler 3500 Euro, um die notwendige Ausrüstung für den Sport anzuschaffen.

Armin Hary, der 1958 bei den Europameisterschaften schon wie zwei Jahre später bei Olympia den Doppelsieg über 100 und 4x100 m gefeiert hatte, sagt zu den Fortschritten seines Förderungskonzepts: "Es könnte ein bisserl schneller gehen. Ich könnte einige Partner mehr gebrauchen, weil mir die Zeit davonläuft. Weil ich nicht mehr 20 Jahre warten kann, bis die ersten Erfolge kommen."

Hary glaubt fest daran, das es ihm gelingt, einen Teil der Jugendlichen von der Straße fern zu halten, die entweder Schwierigkeiten in Familie und Umfeld haben, in der Schule nicht zurechtkommen oder nicht in der Lage sind, sich in der Freizeit sinnvoll zu beschäftigen. "Ich stecke meine ganze Arbeitskraft in dieses Projekt", sagt Hary, dessen Karriere nach einem Autounfall schon im Jahr nach dem Olympiasieg zu Ende ging.

sid ho