Das haben sie Armin Hary dann doch nicht zugetraut. „Ich hätte viel Geld verloren", gibt der frühere Sportjournalist Harry Valerien zu, „wenn ich auf Hary gesetzt hätte." Doch nun sitzen sie in der Presselounge der Münchner Arena, seine Wegbegleiter und Bewunderer von damals, und wundern sich einmal mehr über ein Projekt, das Armin Hary vor rund einem Jahr angestoßen hat: eine „Initiative zur Förderung jugendlicher Sporttalente". Ende des Monats werden die ersten Schecks an drei Nachwuchssportler aus Landshut überreicht.
Vor allem eine Zahl wird mit Armin Hary in Verbindung gebracht: die 10,0. Er war der erste, der die 100 Meter in dieser Zeit - 1960 war es Weltrekord - zurücklegte. Im gleichen Jahr wurde er Olympiasieger in Rom, der erste Deutsche, der Gold gewann in der Königsdisziplin der Leichtathletik. Doch so schnell seine Laufkarriere begann, so schnell endete sie auch wieder. Bei einem Autounfall verletzte er sich das Knie, außerdem legte er sich mit dem Deutschen Leichtathletikverband an. 1961 erklärte er seinen Rücktritt, und auch in seinem neuen Leben als Immobilienmakler lief nicht immer alles glatt. In den vergangenen Jahren war es deshalb still geworden um den unangepassten Armin Hary, der sich von niemandem vereinnahmen ließ.
Doch das Interesse am Sport hat Hary nie verloren. Und so schmerzte es ihn vermutlich mehr als manch anderen, als er bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen einen erfolglosen Auftritt der deutschen Leichtathleten nach dem anderen sah: „Es geht immer nur bergab, wir haben gar keine Siegertypen mehr. Man sieht nur Typen, die immer Ausreden suchen, irgendwann stört einen das", sagt der 68-Jährige. Immer wieder sei man an ihn herangetreten, „und auch ich selbst dachte, eigentlich müsste man was machen. Aber ich dachte immer: Ich bin zu alt. Das sage ich seit zwanzig Jahren -und jetzt fang ich an."
Das System ist einfach: Auf einer Homepage, auf der der zugkräftige Name von Armin Harys Stiftung prangt, können sich Unternehmen einen Platz für ihr Logo kaufen. Das Geld wird über die Kommunen verteilt, pro Jahr werden drei Athleten pro Gemeinde zwischen sechs und 16 Jahren gefördert. „Der Übungsleiter schlägt das Talent vor", erklärt Hary. Werden mehr als drei Kinder vorgeschlagen, müssen sich die Übungs-
leiter einigen, welche drei gefördert werden sollen. Ausdrücklich gehören dazu Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen. „Ich weiß, wovon ich rede", sagt Hary, er stammte ja selbst aus einer armen Familie. Die Hilfe soll unbürokratisch erfolgen, ohne Kommissionen oder eine Jury, die entscheidet. Und: Nicht nur Leichtathleten kommen in ihren Genuss. Man brauche, sagt Armin Hary, für die Talentförderung Geduld. „Das System krankt daran, dass man sich keine Zeit nimmt", sagt er - keine Zeit für die Talentsuche, aber auch nicht für die -ent-wicklung. Er will es besser machen mit seiner Initiative „AHA-F", will Kinder schon früh fördern. „Wir denken jetzt über ein Trainingslager nach", sagt etwa Manfred Oboth, Trainer der neunjährigen Schwimmerin Norah aus Landshut. In der niederbayerischen Stadt hat Hary sein Förderkonzept erprobt, 11 000 Kommunen hat er angeschrieben, bis Ende 2006 sollen 150 Gemeinden am AHA-Projekt teilnehmen. „Ich will den deutschen Sport nicht verändern, ich will helfen und einen Anstoß geben", sagt Hary. Und er wird nicht so schnell aufgeben: „Da bin ich wie ein Terrier, genau wie früher."