Dafür ging Armin Hary vor einigen Monaten in die Offensive und erstaunte damit selbst Freunde, langjährige Weggefährten und Beobachter. Der Sportjournalist Harry Valerien sagt: „Ich hätte nicht gedacht, dass Armin Hary aus seiner bisherigen Haltung heraus eine solche Initiative startet. Ich finde das Ganze hochinteressant und lobenswert. Es ist etwas, das einen neuen Weg aufzeigt.“
Der frühere ZDF-Moderator („Das aktuelle Sportstudio“) spricht damit aus, was viele denken, aber er unterstreicht mit diesen Worten auch, dass der frühere Weltklassesprinter mit seiner Idee, junge Sportler auf kommunaler Ebene zu fördern, für Begeisterung sorgt und Unterstützung findet.
Verständliches Konzept
Das Konzept der „AHA-Förderung“ (AHA-F) ist einfach zu verstehen. Armin Hary sucht regional Unternehmen, die sich als Partner mit einem monatlichen Beitrag zwischen 100 und 500 Euro beteiligen und dafür im Internet, das als Schalt- und Schnittstelle fungiert, erscheinen. Die Gelder kommen dann in enger Verknüpfung mit den Städten und Gemeinden Sporttalenten zwischen sechs und 16 Jahren aus sozial schwachen Familien zugute.
Insgesamt 11.000 Kommunen wurden angeschrieben und so über die Idee informiert. „Am Anfang hatten wir eine ganz große Resonanz“, erzählt Armin Hary. Mit 3.000 Städten und Gemeinden besteht derzeit Kontakt. 100 bis 150 Städte sollen kurz- bis mittelfristig das Projekt komplett übernommen haben.
Landshuter Talente vorgestellt
In der niederbayerischen Stadt Landshut ist das bereits gelungen.
„Es ging schnell, bis ich dort die zehn Partner gefunden hatte“, sagt Armin Hary. Nora Dünschede (9, Schwimmen), Tanja Schedlbauer (10, Leichtathletik) und David Elsner (13, Eishockey) sind die ersten drei Kinder und Jugendlichen, die in den Genuss der Förderung in Höhe von jeweils 3.500 Euro kommen und die am Montag in München vorgestellt wurden. Viele weitere sollen folgen.
Dafür steht Armin Hary mit seinem Namen und seiner ambitionierten „Initiative zur kommunalen Förderung jugendlicher Sporttalente in Partnerschaft mit den lokalen Unternehmen“, wie sie sich ganz offiziell umschreibt.
„Auf die Idee bin ich schon vor vielen Jahren gekommen, weil der deutsche Sport immer bedeutungsloser wird“, sagt der heute 68-Jährige. Er zeigt sich überzeugt davon, dass unter zwei Millionen armen Kindern in Deutschland Talente schlummern, „die sich zu Siegertypen entwickeln können.“ Siegertypen wie er einer war.
Geduld haben
Dabei mahnt er auch zur Geduld. „Wir müssen an der Wurzel gießen und uns fünf, sechs Jahre Zeit nehmen.“ Er stellt aber bereits jetzt in Aussicht: „Dann werden wir aus dieser AHA-Förderung große Talente haben.“
Armin Hary will helfen und er zeigt seinen Ehrgeiz, wenn er ankündigt: „Ich setze dafür persönlich meine ganze Kraft ein.“ Seine Philosophie unterstreicht er mit den Worten: „Ich will die Kinder nicht zum Sport führen, sondern sie dem Sport erhalten. Sie dürfen nicht wegbrechen, weil sie etwa nicht zum Training fahren können.“
Die Auswahl der förderungswürdigen Talente ist ganz bewusst auf die regionale Ebene ausgelegt. Übungsleiter können talentierte Kinder, die Hilfe benötigen, den Kommunen vorschlagen. In einem Miteinander soll dann ausgewählt werden, welche drei in den Genuss der Unterstützung kommen. Armin Hary sagt: „Man muss sich darauf verlassen können, was der Übungsleiter sagt. Ich selbst kann nicht entscheiden, ob jemand förderungswürdig ist.“
Hilfestellung leisten für neue Vorbilder
Auch über die Verwendung des Fördergeldes soll man sich einvernehmlich einigen. „Ich erwarte und hoffe, dass es gelingt, dass Eltern und Übungsleiter gemeinsam über das Geld verfügen. Der Übungsleiter ist auch da am nächsten dran.“
Die AHA-Förderung will so Hilfestellung leisten, zum Dranbleiben motivieren. Armin Hary investiert viel in seine Idee, aus der nun eine professionell aufgezogene Initiative geworden ist, die sogar schon auf dem Sportpresseball als „Bestes Förderungsmodell des Jahres 2005“ ausgezeichnet wurde.
Die mit Olympiasiegen, Weltrekorden und EM-Titeln dekorierte Sprintlegende hat sich nun das Motto „Bronze, Silber, Gold für Schwarz, Rot, Gold“ auf seine Fahnen geschrieben. „Deutschland braucht neue große Sportler und Vorbilder“, ist seine Forderung, für die er nun auch selbst mit einsteht.