Sprint-Legende Armin Hary bringt Förderung junger Talente vor der Haustür zum Laufen

Quelle: DK vom 24.01.2006

Von unserem Redakteur Jürgen Fischer

München (DK) Das schwache Abschneiden der Deutschen bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 hatte Armin Hary den Rest gegeben. ? „Er hat gelitten wie ein Hund", berichtet sein alter Bekannter Josef Deimer, langjähriger Oberbürgermeister von Landshut und Präsident des Bayerischen Städtetages. Also ergriff Sportlegende Hary, der als erster Mensch der Welt die 100 Meter in 10,0 Sekunden lief, die Initiative. Gestern kam seine Armin-Hary-Förderung (AHA-F) zur kommunalen Unterstützung junger Sporttalente endgültig aus den Startlöchern.

Auf die Idee kam der Mann, der 1960 in Rom die olympische Goldmedaille gewann, als er die Zahl von angeblich zwei Millionen armen Kindern in Deutschland hörte. „Darunter schlummern doch hungrige Talente, die sich zu Siegertypen entwickeln können", dachte sich der inzwischen 68-Jährige und erinnerte sich an seine eigene Jugend in einem bescheidenen Elternhaus im Saarland: „Wäre unsere Wohnung nicht unmittelbar neben einem Sportplatz gelegen, es gäbe heute keinen Olympiasieger Hary."

Möglichst früh, so Harys Idee, müssten die jungen Leute gefördert werden. Am besten schon ab sechs Jahren: „Wir müssen unten an der Wurzel gießen." Kinder müssten es sein, deren Eltern das Geld zur angemessenen Förderung ihrer sportlichen Laufbahn fehle. Und gesucht werden müssten diese Talente am besten vor der Haustür, in den Kommunen. Stück für Stück entwickelte sich daraus die Initiative AHA-F, wobei die Abkürzung auf die Beteiligten wie ein Aha-Erlebnis wirken soll.

Und so sieht das Konzept Harys aus: In jeder beteiligten Stadt schlagen die Übungsleiter der Vereine in Abstimmung mit der Kommune drei lokale Talente für die Förderung vor. Die Fördermittel - je nach Größe der Kommune monatlich 100 bis über 1000 Euro - kommen von zehn lokalen Unternehmen. Als Gegenleistung dürfen diese Firmen kostenlos auf der Internetseite der Initiative (www.aha-f.de) werben. Einige 1000 Euro im Jahr sollen so für jeden der Athleten zusammenkommen, über deren Verwendung die Eltern und Trainer gemeinsam entscheiden sollen.

In der Münchner Allianz:Arena wurden gestern die ersten drei geförderten Talente im Alter zwischen neun und 13 Jahren vorgestellt: eine Leichtathletin und eine Schwimmerin sowie ein junger Eishockey-Spieler, allesamt aus Landshut. Die Stadt hatte einen besonderen Ehrgeiz entwickelt, weil Hary in der Gegend wohnt. Andere Städte sollen alsbald nachziehen. Zum Beispiel Ingolstadt, wo allerdings noch ein paar Sponsoren fehlen. Aktuell über 300 Städte hätten das Modell übernommen und seien auf seiner Homepage verlinkt, sagte Hary, Mit über 3000 stehe man in Kontakt.

Gut getan hat Hary, dass sein Projekt vor ein paar Wochen beim Sportpresseball in Frankfurt als bestes Förder-Modell des Jahres ausgezeichnet worden ist. Um Harys Initiative zum Laufen zu bringen, hat die Initiative

auch einen großformatigen, hochwertigen Kalender herausgebracht. Das exklusive Stück erscheint zum Preis von 750 in limitierter Auflage von 1000 Stück und soll also 750 000 Euro zugunsten der Olympiateilnehmer von übermorgen einspielen. „Wir brauchen", sagt Hary, „ein paar Jahre Zeit und Geduld."