Von ARMIN HARY
Der 1. September war einer der schönsten Tage meines Lebens, Die Stimmung im Stadion war gut; alles wartete auf die 100 m. Ich nahm mir vor, mich von der Hektik nicht anstecken zu lassen. Zehn Wochen vorher war ich in Zürich als erster Mensch 10,0 Sekunden gelaufen. Doch den Weltrekord empfand ich nicht als Bürde.
Im Finale hatte ich Bahn 6. Der Amerikaner Dave Sime, mein härtester Gegner, Bahn 1, Wir kauerten in den Startblöcken. Der Starter hatte noch nicht geschossen, als Sime und ich schon losliefen - die Nerven. Verwarnt wurde keiner. Versuch Nr. 2: Diesmal wurde ich wegen Fehlstarts verwarnt. Eine Wiederholung hätte die Disqualifikation bedeutet. 3. Versuch: Nun hob der Kubaner Fiquerola den Arm - Probleme mit dem Startblock.
Erst der 4. Versuch klappte. Ich musste mich mit einem Sicherheitsstart begnügen, um mein großes Ziel nicht zu gefährden. Doch auch so hatte ich schon nach zehn Metern einen Vorsprung herausgelaufen, den ich bis ins Ziel verteidigte.
Was sich links von mir und dahinter abspielte, entging mir. Im Ziel war ich mir sicher, gewonnen zu haben. Vorsichtshalber ließ ich mir das von DLV-Präsident Dr. Max Danz bestätigen. Freudensprünge verkniff ich mir. Ich bin nicht so ein emotionaler Typ...