Hary Armin & Valérien HarryDas Doppel-Interview über Wok-WM und HasenhüpferQuelle: TZ vom 26.03.2005Legenden. Der eine der schnellste Mann der Welt. 100 Meter in 10,0. Olympiasieger 1960. Der andere, Sappradi, vielleicht der populärste Sportreporter, den es je gab in Deutschland. Die tz hat sie zusammengebracht. Hary & Harry. Armin Hary (68) und Harry Valérien (81). Und die beiden hatten sich eine Menge zu sagen im tz-Duett. Herr Valérien, wie haben Sie eigentlich Armin Harys Gold-Lauf 1960 erlebt? Valérien: Ich war natürlich in Rom, bei Olympia, für die ARD. Das ZDF gab es ja noch nicht. Aber ich war nicht im Stadion, ich musste woanders arbeiten. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich beim Schwimmen oder im Studio war. Hary: Du warst beim Rudern, mein Freund. Valérien: Das stimmt sogar, ich war beim Rudern am Albaner See. Nach deinem Zwischenlauf habe ich dir noch viel Glück gewünscht. Und beim Rudern haben wir Reporter uns die Reportage von deinem Lauf live auf den Kopfhörer schalten lassen. Herrschaft, haben wir gezittert, als du den Fehlstart verursacht hast. Und dann gejubelt. Beim zweiten Fehlstart wären Sie disqualifiziert worden. Fast wie Jürgen Hingsen 1988 in Seoul. Hary: Erinnern sie mich nicht an Jürgen Hingsen, da wird mir heute noch schlecht.Ihn habe ich übrigens letztes Jahr im ZDF gesehen, in einer Diskussion über Doping, mit Katrin Krabbe. Ausgerechnet die beiden zum Thema Doping, muss das sein? Der Hingsen... Valérien: Lassen wir das lieber, Armin. Weißt du noch, wie ich dich 1962 über 100 Meter fast geschlagen hätte? Hary: Ich erinnere mich dunkel. Valérien: Damals habe ich mir in den Kopf gesetzt, im Fernsehen gegen sieben bekannte Sportler in einem Wettkampf ums Goldene Sportabzeichen anzutreten. Das waren der Mittelstreckler Hermann Eberlein, der Radrennfahrer Wiggerl Hörmann, der Weltrekord-Schwimmer Herbert Klein und einige mehr. Und eben auch der Armin. Bei den 100 Metern habe ich sie alle geschlagen - bis auf dich, weil dich deine Versicherung nicht mitlaufen ließ. Klingt wie ein Vorläufer der Wok-WM. Valérien: Wok-WM? Was ist das? Rodeln auf Bratpfannen, mit Stefan Raab und Schorsch Hackl. Hat auf Pro7 tolle Einschaltquoten. Valérien: Ist das wahr? Muss man nicht unbedingt kennen. In den 7üern sind Sie dann ja auch gegen den Olympia-Dritten Werner Lampe geschwommen - und haben gewonnen. Valérien: Um ein Zehntel hab' ich ihn geputzt. Aber ich mit Flossen, er ohne. Welche Sportsendungen schauen Sie sich heute gerne im Fernsehen an? Valérien: Fußball auf Premiere, die Bundesliga-Konferenz. Das ZDF-Sportstudio kommt ja leider immer erst nach elf und nicht live, sondern aufgezeichnet, was ich kritisiere. Das ist mir dann meistens doch zu spät. Hary: Bei der Leichtathletik gibt es leider nur noch wenige Disziplinen, die mich interessieren. Und die wären? Hary (lacht): Hammerwerfen der Frauen, Stabhochsprung der Frauen. Valérien: Das meinst du jetzt aber nicht ernst, oder? Hary: Nein. Ein paar Dinge sollten halt in den Händen der Männer bleiben, da bin ich gerne altmodisch. Ich sage das jetzt nicht, weil ich kein Frauen-Typ bin. Valérien: Dir sind die Frauen doch immer nachgelaufen. Und du ihnen. Was trauen Sie Deutschland bei der WM 2006 zu? Hary: Wenn Jürgen Klinsmann sagt, in zwei Jahren mache ich aus dieser Truppe einen Weltmeister, dann glaube ich nicht dran, dass er selber dran glaubt. Die Zeit ist einfach zu kurz. Valérien: Ich sehe Klinsmann, Löw und Bierhoff sehr positiv. Klinsmann geht in die Vollen, das ist mir lieber, als wenn man kleinkariert immer nur schrittchenweise weiterkommen will. Als sie diese Hasenhupferei gemacht haben, mit den amerikanischen Trainern, hat man natürlich gesagt, was ist denn das? Aber solange die Aktiven nicht sagen, da mache ich nicht mit, hat kein Außenstehender daran rumzumeckern. Die deutsche Leichtathletik könnte frischen Wind auch gut brauchen. Hary: Ich habe den Leuten vom Verband mal gesagt, wenn ich was bewirken soll, brauche ich l0Jahre Zeit und l0 Millionen Dollar. Das Geld hätte ich vielleicht bekommen - aber 10 Jahre sind für einen Funktionär viel zu lang. Valérien: Dann ist er ja nicht mehr im Amt und hat nix mehr davon. Hary: Für Peking 2008 ist es eh zu spät. Da braucht keiner mehr hinzufahren, da holen die Chinesen 60 Goldmedaillen. Mit welchen Mitteln auch immer. Hary: Ich wäre der glücklichste Mensch, wenn die Dopingfahnder endlich schlauer wären als die Sportler und ihre Ärzte. Dann würde man beiden 100 Metern wieder mit 10,2 anfangen. Wenn ich heute Leichtathletik schaue, kann ich ja nicht mehr beim Zieldurchlauf jubeln, sondern erst 14 Tage später, wenn die B-Probe sauber ist. Herr Hary, hat es Sie geärgert, als Sie bei der ZDF-Wahl zum Sportler des Jahrhunderts nachnominiert werden mussten, weil man sie übersehen hatte, und dann 75. wurden? Hary: Da hast du dich mehr darüber aufgeregt als ich, Harry. Mich hat's gefreut, als Blacky Fuchsberger in der Sendung gesagt hat, als Sportler des Jahrhunderts fällt mir nur Armin Hary ein. Damit war's für mich abgehakt. Mich reut das Geld, das so eine Show kostet, und was der Kerner verdient. Damit könnte man so viel tun für junge Sportler. Valérien: Trotzdem darf so eine Blamage nicht passieren. Frage zum Schluss: Welche Menschen haben Sie besonders beeindruckt? Valérien: Ich habe drei Leute gehabt im Studio, die irgendwo herausragen. Der Amüsanteste war Franz Beckenbauer. Einmal hat er uns beim ZDF alle als geistige Nichtschwimmer bezeichnet. Ich hab' ihm dann gesagt, Franz, jetzt kommst ins Sportstudio und erklärst uns das näher. Er ist dann auch wirklich gekommen, hatte ich nicht gedacht, Hut ab. Man könnte sich manchmal die Haare raufen bei seinen Sprüchen, aber ihm kann man einfach nicht böse sein. Und die beiden anderen? Valérien: Der Präziseste war Niki Lau-da. Der sagt was, und es sitzt. Und der Hintergründigste, der Philosophischste war Reinhold Messner. Und bei Ihnen, Herr Hary? Hary: Jesse Owens und Curd Jürgens. Wenn die kamen, hat es geknistert. Valérien: Mich musst du nicht erwähnen, Armin. INTERVIEW: JÖRG HEINRICH Hary und der AHA-EffektDer Sprint-Olympiasieger sammelt Geld für die NachwuchsförderungHerr Hary, Sie haben Ende 2004 die Talent-forder-Aktion AHA -F ins Leben gerufen, die Armin Hary-Förderung. Was steckt dahinter? Hary: Schauen Sie, wir haben ja fünf Millionen Arbeitslose. Und eine der Folgen dieser Krise ist, dass viele talentierte junge Sportler im Teenager-Alter aufhören, weil sie ihre Ausrüstung nicht mehr bezahlen können oder weil sich ihre Eltern die Fahrten nicht mehr leisten können. Ich will unserem Sport zumindest einige dieser Talente erhalten. Deshalb sammle ich bei Unternehmen Geld ein, das ich an Städte und Gemeinden weitergebe, die damit junge Sportler fördern. Valérien: Ich hätte nicht gedacht, dass du dich noch einmal so engagierst, Respekt. Wie ist die Resonanz bisher? Hary: Sehr gut. Die Kommunen und die Firmen ziehen prima mit. Die, die es nicht so gerne sehen, sind einige Sportfunktionäre. Die sagen mir, toll, Herr Hary, aber Sie müssen das über uns machen. Die wollen das Geld selbst verteilen, und das ist genau das, was ich nicht will. Wenn BMW heute eine Million spendet, kommt das Geld doch gar nicht mehr da an, wo uns die Talente verloren gehen. Und eines noch: Ich weiß, von was ich rede, Harry -wenn wir zuhause nicht zufällig direkt neben dem Sportplatz gewohnt hätten, hätte ich aufhören müssen und wäre die 10,0 nie gelaufen. Mehr zur Aktion unter www.aha-f.de |