So will er unseren Nachwuchs retten

Quelle: Bildzeitung München vom 22.10.2004

Von FRITZ HAUTSCH

Er lief als erster Mensch der Welt die 100 Meter in 10,0 Sekunden, er holte 1960 Doppel-Gold bei den Olympischen Spielen in Rom. Und jetzt, 44 Jahre nach seinem größten Triumph, will Armin Hary {67) dem deutschen Sport auf die Beine helfen.

„Olympia in Athen oder die Fußball-EM in Portugal haben uns wieder einmal drastisch gezeigt, daß wir den Hebel umlegen müssen", sogt der gebürtige Saarländer, der heute bei Landshut in Niederbayern lebt. „Dabei sind nicht etwa fehlende Talente das Problem, sondern der Umstand, daß uns zu viele - meist aus wirtschaftlichen Gründen - von der Fahne gehen."

Genau da greift Deutschlands schnellster Sprinter aller Zeiten ein. Seine Zauberformel heißt „AHA-F". Heute stellt die Lauf-Legende die „Armin Hary-Förderung" in München dem Deutschen Städtetag vor. Für Städte und Gemeinden die einmalige Chance, etwas für ihren Sport nachwuchs zu tun, ohne selbst einen Cent zu investieren.

Das Konzept (im Internet unter www.aha-f.de zu finden):

  • In jeder Stadt fördern zehn lokale Sponsoren den Nachwuchs. Sie zahlen - je nach Größe der Kommune - zwischen 120 und 1200 Euro pro Monat, dürfen im Gegenzug, kostenlos auf der AHA-F-Website werben.
  • 50 % des Gelds schütte! die Stadt an maximal drei, 8 bis 16 Jahre alte, förderungswürdige Talente aus. „Damit können die sich dann Sportartikel kaufen. Oder die Fahrt zum Training bezahlen. Dinge halt, die ihre Eltern aus wirtschaftlichen Gründen nicht finanzieren können", erklärt Hary und erzählt: „Hätte ich damals in Quierschied nicht direkt neben dem Sportplatz gewohnt, es hätte nie den Olympiasieger Hary gegeben. Meine Mutter hatte nämlich kein Geld, um mir ein Fahrrad zu kaufen."

Bleibt die Frage nach der anderen Hälfte der Einnahmen. Hary: „Alleine 15 bis 20 % des Gesamtvolumens müssen für die Werbung der einzelnen Sponsoren aufgewendet werden. Über zehn Leute müssen bezahlt werden, damit sie die umfassende Datenbank über die Entwicklung der Talente pflegen. Und dann brauchen wir eine Rücklage für außergewöhnliche Förderungsaktionen, die wir natürlich auch planen."

Hary verspricht keine Olympiasieger oder Fußball-Wellmeister, doch er versichert: „Ich stehe hinter dem Projekt mit dem gleichen Ehrgeiz, der mich 1960 zum Doppel-Gold trieb."