AHA: Armin Hary hat keine Zeit für die Rente

Quelle: SaarSport vom Februar 2005

Nicht nur die Freunde des unvergessenen Olympiasiegers von 1960 in Rom über 100 m und 4 x 400 m, des 10,0 Weltrekordlers und zweifachen Europameisters aus dem saarländischen Quierschied horchen auf. Im bayrischen Fürth hat der 67-Jährige jetzt eine „Initiative zur kommunalen Forderung jugendlicher Sporttatente" (AHA-F) gegründet.

Ehefrau Christina holt die Sprint-Lebende ans Telefon. Harys Comeback nach seinem Ausstieg aus dem Leistungssport vor 43 Jahren ist mehr als erstaunlich. „Ich bin maßlos enttäuscht von den katastrophalen Ergebnissen unserer deutschen Leichtathleten nach der Pleite bei der WM 2003 in Paris und Olympia in Athen", erklärt er dem Magazin SaarSport seinen Groll, aus dem heraus die Sprintlegende die Motivation zur Gründung einer Talentinitiative bezieht.

„Das sind keine Siegertypen", ereifert sich der frühere Weltklasse-Sprinter, mochte er angesichts der Enttäuschungen bei den Top-Events „vor Wut in den Fernseher springen". Und nur ungern erinnert sich der Wahl-Bayer an das olympische 100-m-Finale mit Justin Gatlin (USA) als Sieger „Bei diesen Muskelbergen fragt man sich schon, ob es Sprinter oder Bodybuilder sind".

Armin Hary muss es wissen auch wenn er die 10,0 Sekunden über 100 Meter drei Mal laufen musste, ehe der Weltrekord am 21. Juni 1960 in Zürich endlich amtlich war. Der unangepasste Einzelgänger, gelernter Maschinenschlosser, arbeitete schon damals wie ein Profi, eckte mit Funktionären an und verschwand, obwohl erst gerade 24, von der Bühne des Weltsports. Zum Idol taugte er wohl nicht, aber als Phänomen gilt Hary noch heute. Zumal das Uneinholbare seiner Klasse das nachkommende Dilemma überstrahlt.

Die „größte Sprintbegabung aller Zeiten" (Heinz Fütterer) arbeitete fürderhin als erfolgreicher Versicherungsagent und Immobilienkaufmann, die Verbindung zum Sport blieb scheinbar gekappt. Doch jetzt präsentiert sich Hary als treibende Kraft einer Initiative, die bis dato schon viel Aufsehen erregt hat. „Ich hab mir damit eine Riesenarbeit aufgehast, aber es macht viel Spaß", holt der frühere Saarländer tief Luft. Sein Konzept hat er jüngst beim Bayrischen Städtetag vorgestellt. „Es kommt sehr gut an", will der einstige Weltstar Mädchen und Jungen von sechs bis 16 Jahren, die oft aus sozial schwacher Umgebung kommen, Kommunen interessieren, mit Fördergeldern lokaler Unternehmen den Traum zu realisieren, Olympiasieger von morgen zu werden

Das Konzept funktioniert so: Eine Agentur akquirert Förderbeiträge von kommunalen Unternehmen, die den Gemeinden zur zweckgebundenen Weitergabe an maximal drei von Übungsleitern ausgesuchte Talente überlassen werden. Als Gegenleistung dürfen sie auf der Homepage der Initiative - www.aha-f.de - werben und das Logo für eigene Marketingstrategien nutzen. Die Sponsormittel sollen an bisher nicht geförderte Jugendliche mit spezifischen Handicaps verteilt werden. „Wir wollen die Blume an der Wurzel gießen und nicht auf die Knospen" sieht Hary ganz unabhängig vom Leistungsaspekt in der AHA Förderung auch eine sozialpolitische Maßnahme, Jugendlichen eine Zukunftsperspektive zu bieten. Weg von sozialen Schwierigkeiten, familiären Spannungen, schulischen Problemen und Computerspielen - hin auf die Laufbahn!

Die Idee zu dem groß angelegten Projekt hatte der (Ur-)Ruheständler schon länger, will mit der Realisierung auch Zeichen setzen damit Deutsche bei Wettbewerben wieder ganz oben stehen. „Die Chinesen fördern schon ab der Wiege", kennt sich Hary aus. Das Markenzeichen AHA-F hat inzwischen auch saarländische Städte und Gemeinden erreicht; „Die sind alle angeschrieben".

Und wie sieht es aus mit den Kontakten zur einstigen Heimat? „Vor etwa fünf Jahren war ich zum letzten Mal da", Vielleicht kommt der einst schnellste Mann der Welt zum 50. Geburtstag der Hermann Neuberger Sportschule. Eine Einladung zum Jubiläum seines SV Guierschied liegt schon vor.

WOLFGANG WEBER